Gombe 50

Das Jahr 2010 stellt einen monumentalen Meilenstein für das Jane Goodall-Institut und seine Gründerin, Dr. Jane Goodall, DBE, dar. Vor genau fünfzig Jahren setzte Jane Goodall, die heute eine weltberühmte Primatologin, Umweltschützerin und UN-Friedensbotschafterin ist, zum ersten Mal den Fuß auf afrikanische Erde – an den Ufern des Tanganjikasees im heutigen Nationalpark Gombe. Die Verhaltensstudie über Schimpansen, die sie dort ins Leben rief, erbrachte eine Fülle wissenschaftlicher Entdeckungen und ihre Vision wurde zu einer globalen Mission, Menschen zu befähigen, einen Unterschied für alle Lebewesen zu bewirken.

„Es ist schwer zu glauben, dass seit dem Beginn meiner Schimpansenbeobachtung in Gombe 50 Jahre vergangen sind.“ sagte Dr. Goodall. „Ein halbes Jahrhundert unglaublicher Entdeckungen hat uns geholfen, unseren Platz in der Natur neu zu definieren. Und das Erstaunlichste von allem ist zu wissen, wie viel mehr die Schimpansen uns beizubringen haben. Ich freue mich, das nächste halbe Jahrhundert anzugehen.“

Als die 26-jährige Jane Goodall am 14. Juli 1960 in Gombe ankam, beauftragte sie der berühmte Anthropologe und Paläontologe Dr. Louis Leakey, das Verhalten der ansässigen Schimpansen zu beobachten, um so die Menschen besser verstehen zu können. Ihre frühen Forschungsergebnisse – dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und gebrauchen, dass sie Fleisch essen und kriegsähnliche Aktivitäten ausüben – veränderten unser Verständnis vom Menschsein nachhaltig.

Der Höhepunkt der ersten 20 Jahre Forschung in Gombe, Dr. Goodalls Buch „The Chimpanzees of Gombe: Patterns of Behaviour“, wird als Meilenstein im Verstehen des Verhaltens wilder Schimpansen angesehen. Als Resultat ihrer ursprünglichen Studien führen ForscherInnen in vielen anderen Institutionen wegweisende Analysen zum Verhalten der Schimpansen weiter und machen neue Entdeckungen in diesem Bereich.

Heute ist die Gombe-Studie eine der am längsten laufenden Studien über Tiere in freier Wildbahn, die umfassende Einblicke in die Gefühlswelt, das Verhalten und soziale Strukturen unserer nächsten Verwandten bietet. Doch Gombe repräsentiert noch so viel mehr. Die fortlaufende Forschung und umfassende Naturschutzarbeit, die vom Institut vor Ort weiterbetrieben werden, helfen dabei, zwingend notwendige Fragen wie jene nach der Ausbreitung bestimmter Krankheiten, nach der Waldzerstörung, die zum Klimawandel beiträgt und nach der Verbesserung der Notlage von Frauen in Entwicklungsländern zu beantworten.

Der Einfluss der Gombe-Forschung umspannt den gesamten Globus und deckt viele verschiedene Wissenschaftsbereiche ab, wie zum Beispiel die Evolution des Menschen, Verhaltensforschung, Anthropologie, Verhaltenspsychologie, Soziologie, Artenschutz, Krankheitsübertragung (inklusive HIV-AIDS), Altersforschung und räumlich-geographische Kartierung.

Dr. Goodall und die Gombe-Forschung haben außerdem weltweit eine Generation von Wissenschaftlern und vor allem Wissenschaftlerinnen dazu inspiriert, nicht nur zum Thema Schimpansenverhalten zu arbeiten, sondern sich auch Arterhaltung und anderen verwandten Feldern zu widmen. Allein in den USA haben in Gombe ausgebildete StudentInnen heute akademische Positionen in Universitäten im ganzen Land inne, darunter Harvard University, University of Minnesota, University of Southern California, University of California at Berkely und Duke University.

Seit 1960 war Gombe Ausgangspunkt für

  • mehr als 200 wissenschaftliche Abhandlungen,
  • 35 Doktorarbeiten,
  • mehr als 30 Bücher (inklusive dem Bestseller „In the Shadow of Man“ von Dr. Goodall aus dem Jahr 1971, „Through a Window“ 1991 und verschiedene Kinderbücher),
  • neun Filme (inklusive jener von der National Geographic Society und von Animal Planet sowie ein IMAX-Film mit Science North im Jahr 2002)
  • Hunderte bekannte Artikel, Berichte, Radio- und Fernsehinterviews sowie
  • Hunderte von Vortragsreisen und Konferenzen.

Die in Gombe angehäuften Daten lieferten auch den Jane Goodall Institut-Arten- und Lebensraumerhaltungsprogrammen Informationen. Die von AnwohnerInnen geführten Erhaltungsinitiativen des Instituts bieten den Gemeinschaften vor Ort die Werkzeuge, die sie brauchen, um ihren Grundbedarf zu stillen und wirtschaftlich stabil zu werden bei gleichzeitiger Verwaltung ihrer natürlichen Ressourcen auf lange Sicht. Die integrative Herangehensweise des Jane Goodall-Instituts unterstützt Projekte verschiedenster Art – von Fragen zu Wasser-/Sanitäranlagen und Gesundheitsvorsorge zu nachhaltigem Auskommen und Bildung – und verbindet diese mit Betrachtungsweisen unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes.

In jüngerer Zeit wurde Gombe zu einem Beispiel dafür, wie modernste Technologie den Umweltschutz verbessern kann. Als Teil seines Planungsprozesses für Umweltschutzaktionen nutzt das Jane Goodall-Institut neueste hochauflösende Satellitenbilder und geographische Informationssysteme, um Schimpansenhabitate zu kartieren und plant die Landnutzung mit lokalen Gemeinden, wozu auch das Kennzeichnen entwaldeter Gebiete für die Regenerierung gehört.

Schließlich ist Gombe der Ort, an dem Jane Goodalls Roots & Shoots, ein weltweites Jugend-, Umwelt- und Gesellschaftsprogramm, zu sprießen begann. Heute inspiriert das Programm in über 120 Ländern junge Menschen, positive Veränderungen für Menschen, Tiere und die Umwelt, die wir uns alle gemeinsam teilen, zu bewirken. Noch nach fünfzig Jahren beeinflusst Gombe wahrhaftig die nächste Generation.

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