Sally und Becky wurden gemeinsam in einem Garten eines Vorortes von Kampala entdeckt, sie waren an einen Strick gebunden. Die beiden umarmten sich völlig verängstigt, als sie im UWEC abgeliefert wurden. Sally litt an Haarausfall und Unterernährung. Sie war traumatisiert, nervös, ängstlich und scheu. Sie schleuderte abwehrend Stöcke und Äste auf alle Personen, die sich ihr näherten. Sie drohte, wenn man zu rasch auf sie zuging.
Sallys äußere Erscheinung
Sie hat graue Stellen in ihrem Haarkleid. Als Ursache kommt ihre damalige Unterernährung in Betracht. Besonders auffällig und hübsch ist Sallys Zeichnung im Gesicht. Dunkle Stellen ziehen sich völlig parallel auf den Gesichtshälften über die Stirn zwischen die Augen. Es erinnert an indianische Bemalungen und kommt bei Schimpansen hier und da vor.
Weitere Entwicklung
Kigogora nahm sich Sally und auch Becky nach Ankunft im UWEC sofort an und sorgte sich intensiv um beide Mädchen. Dies half sicherlich auch, dass Sally einen ausgesprochen liebenswürdigen Charakter entwickeln konnte. Sie ist lustig, munter und stets spielfreudig.
„Während meines Aufenthaltes im UWEC kam ein ZDF-Team für die Aufnahmen zu ´Jetzt kannst Du was erleben´. Während der ersten Filmaufnahmen Ende März vor dem Chimp-Haus nahmen Sally und Becky Reißaus. Becky verschwand in den Büschen, während Sally auf eine Volière zweier kranker Graupapageien kletterte, die sich in der Nähe des Chimp-Hauses befindet. Dann wartete sie ab, was sich denn nun tut. Als ich zu ihr ging, schaute sie mich mit lustiger Miene an und – plumps!- ließ sie sich zu mir runterfallen. Ich konnte sie gerade noch auffangen, was ihr so gut gefiel, dass sie gleich wieder auf das Häuschen kletterte, um sich wieder hinunterfallen zu lassen. Schließlich fand sie es dann doch bequemer, herumgetragen zu werden, was ich gerne tat. Lustig bei ihr ist, dass sie sich manchmal auffallend in Positur begibt, das heißt Körperhaltungen wie ein richtiges Fotomodell einnimmt – ob im Baum oder am Boden.“ (Nicole Strik 8/98)
Ngamba
Becky und Sally, die beiden gemeinsam konfiszierten Mädchen, sind unzertrennliche Freundinnen. Erfreulicherweise wächst aber langsam ihr Selbstvertrauen und damit auch ihre Selbständigkeit. Besonders Sally fühlt sich zunehmend sicher genug, um auch kleine Ausflüge ohne ihre Begleiterin zu wagen. Durch das neu gewonnene Selbstbewusstsein verlaufen nun auch die Mahlzeiten für Sally wesentlich erfolgreicher. Nicht nur, dass sie sich jetzt auch Leckereien, die etwas von ihr entfernt landen, aufzusammeln traut, anstatt sich ängstlich umzusehen, wer es ihr abjagen könnte. Sie beginnt auch, sich aktiv gegen Angriffe älterer Futterneider zu verteidigen. Trotz der sehr positiven Entwicklung sieht man Sally nach wie vor sehr selten mit anderen Chimps spielen. Sie liebt aber den Kontakt zu Menschen, ist sichtlich interessiert an großen Touristengruppen und immer freundlich und liebevoll den Tierpflegern gegenüber. Wenn sich von Zeit zu Zeit im Wald oder durch die Gitter des Schlafgeheges die Möglichkeit zu Körperkontakt mit den Pflegern ergibt, liebt es Sally, diese intensiv zu untersuchen, manchmal sogar mit sogenannten “Grooming-Lauten”, die sich wie ein leises Schmatzen anhören. Sie findet sogar kleine, Monate alte Narben und wenn man nicht aufpasst, kann es passieren, dass die besorgte Sally ganz vorsichtig die Haut wieder aufbeißt, um an der Wunde zu lecken, wie es unter Chimps üblich ist. (Irene Ludwig 5/99)
Sally ist eine ausgesprochen ruhige Schimpansin, die sich nicht so schnell vom Imponiergehabe ranghöherer Artgenossen beeindrucken lässt. Während ihre Freundin Becky bei Mahlzeiten lieber erst einmal das Weite sucht, wenn sich beispielsweise Megan oder Kidogo nähern, bleibt Sally zunächst sitzen und wartet ab. Sie verzichtet dann zwar zugunsten des Ranghöheren auf ein Stück Obst oder Gemüse, räumt aber selten den Platz.
Sally und Becky verbringen nach wie vor viel Zeit miteinander, hecken gemeinsam Streiche aus, beruhigen sich gegenseitig, wenn es etwas Aufregendes gibt und teilen oft ihre Hängemappe oder ihr “Bett”. Sally half vor einiger Zeit Mawa (2 ½ Jahre alter Junge), als dieser in ein zu wildes Spiel mit Mika verwickelt wurde und daraufhin versuchte zu flüchten. Mika stellte ihm nach, doch Sally stellte sich Mika in den Weg und fuchtelte mit ihren Armen vor Mika herum und drängte ihn schließlich mit Beckys Unterstützung von Mawa ab. Mika führte sich halb spielerisch, halb ernst noch ein bisschen vor den beiden jungen Damen auf – aber was sollte er schon gegen zwei halbstarke Mädels, beide älter als er, ausrichten?
Sally scheint in der Hierarchie im Mittelfeld zu rangieren und verhält sich unauffällig. Sie hegt sehr viel Sympathie für die Babyschimpansen und man kann oft beobachten, wie sie in Beckys Abwesenheit Rutoto und manchmal auch Kikyo herumträgt. Sie ist in ihrer Art sehr zurückhaltend und nur selten in Kämpfe, z.B. während der Fütterungszeiten, verwickelt. Während der Fütterungen sitzt sie dann meist hinter den dominanten Männchen, wo sie eine gute Position hat, um möglichst viel Nahrung zu sammeln. Wann immer Bwambale, Billi und Nakuu sich Sally nähern, verjagt sie sie, und wenn sie ihr dann noch immer zu nahe kommen, verteilt sie Schläge. Sally ist dafür bekannt, Regentänze aufzuführen, vor allem dann, wenn es so richtig “aus Eimern” gießt. Sie rollt sich dann im Gras, bricht Zweige ab, ist ganz aufgeregt und springt umher.
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