Ikuru

Ikuru wurde im September 1998 in der Volksrepublik Kongo aufgefunden. Ein ugandisches Regiment kämpfte im Dschungel des Kongo gegen kongolesische Rebellen, die immer wieder nach Uganda eindrangen und Dörfer überfielen. Das ugandische Regiment griff eine kongolesische Gruppe an und siegte. Danach gingen die Ugander durch den Busch, um die Toten zu identifizieren. Ein Major fand Ikuru an den Körper ihrer toten Mutter geklammert. Wir sind uns nicht sicher, ob die Mutter nicht bereits vor dem Kampf von den kongolesischen Banden in der Absicht getötet wurde, sie zu essen, oder ob sie in den Schusslinien ums Leben kam.

Der Major nannte Ikuru “Jungle” (Dschungel) und brachte sie zurück zu einem Dorf in der Nähe der Grenze zu Uganda und bat die Einwohner, sich um die Kleine zu kümmern. Einige Monate später kam der Major beim Rückzug aus dem Kongo wieder in das Dorf und fragte die Zöllner an der Grenze, ob er Jungle behalten könne. Die Grenzoffiziere verwiesen den Major an die Uganda Wildlife Authority (Ugandische Naturschutzbehörde) in Arua, wo er nachfragen könne. Er tat dies sofort im Glauben, er könne die kleine Schimpansin behalten und sie groß ziehen. Die Beamten informierten ihn aber, dass dies gesetzeswidrig ist und dass er Jungle sofort aushändigen müsse. Dies tat er dann freiwillig. Wir arrangierten sofort einen Flug für Dr. Josephine Afema, um am folgenden Tag, es war der 17. Mai 1999, “Ikuru”, wie wir sie dann nannten, abzuholen. Etwas kleinwüchsig für ihre geschätzten 4 bis 5 Jahre (wahrscheinlich aufgrund von Fehl- und Mangelernährung) besaß sie einen sogenannten „Trommelbauch“ (Grund: Haken- und Bandwurmbefall), spärliche Behaarung und vor allem fehlten ihr fast sämtliche Milchzähne. Ikuru entwickelte sich aber noch im UWEC zu einem Energiebündel, das die UWEC-Mitarbeiter in Atem hielt, z.B. indem sie eine “Freiluftdusche” durch Rumhantieren oft zum permanenten Überlaufen brachte. Das machte ihr so richtig Spaß – und sie merkte, dass die Mitarbeiter darüber lachen mussten und ihr nicht wirklich böse waren. Anfang Juni 1999 wurde Ikuru dann nach Ngamba gebracht, weil im UWEC kurzfristig zwei weitere konfiszierte Schimpansenkinder aufgenommen wurden und die drei wegen Quarantänebestimmungen nicht zusammenkommen durften. (Es waren Mawa und ein Mädchen namens Adiru, die bereits so entkräftet und krank war, dass sie in der zweiten Nacht starb.) Die Integration von Ikuru schreitet schnell voran: Sie ist zwischenzeitlich allen Schimpansendamen und auch Sunday, Tumbo und Mika vorgestellt worden. Sunday zeigt sich in positivem Sinne onkelhaft. Ikuru hat sich bereits ziemlich gut an die neue Schimpansengesellschaft gewöhnt, lacht viel beim Spiel mit anderen, mag “Nachlauf-Spiele” (sie fordert andere auf, ihr hinterher zu jagen) und sitzt häufig mit anderen Schimpansen (z.B. “Onkel” Sunday) in einer Hängematte.

Trotz ihren anfänglichen Schwierigkeiten ist Ikuru heute völlig in die Erwachsenengruppe auf Ngamba Island integriert. Sie ist sehr aktiv während der Fütterungszeiten und stibitzt gerne auch ab und zu Futter von anderen Schimpansen. Ikuru ist sehr neugierig und häufig schält sie eine Frucht bevor sie sie isst, was nicht typisch für Schimpansen ist. Sie verbringt ihre Zeit gerne mit jüngeren Schimpansen. Dabei ist sie gerne in der Rolle der Tante und teilt ihr Futter mit jungen Schimpansen, wenn sie darum gebeten wird. Manchmal trägt Ikuru die kleinen Schimpansen auf dem Rücken. Zweifellos hat Ikuru ein grosses Herz. Sie nimmt gerne an Spielen und den wissenschaftlichen Programmen teil und genießt die Morgenspaziergänge in den Wald. Noch immer ist sie den Menschen gegenüber sehr positiv eingestellt und sucht gerne den Körperkontakt zu ihnen, wenn es die Situation erlaubt, wie zum Beispiel während der Morgenspaziergänge in den Wald. Ihre schlechten Erfahrungen haben sie sicherlich geprägt, aber sie besitzt einen starken Willen und hat  ihren Platz gefunden.

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