Der Trip und „African Time“

Wow, das war eine wirklich lange Busfahrt, die ich gestern hinter mich bringen musste, um nach Sanya Juu zu gelangen. Um 6 Uhr morgens sollte ich den Bus vom Kilimanjaro Express nach Arusha nehmen, nachdem ich tagszuvor endlich die Quittung für mein Visum bekommen hatte. Um 3 Uhr hätte mein Wecker klingeln sollen, denn ich hatte mit Byabato abgesprochen, daß er um 5 Uhr bei mir ist, um mich zum Omnibusbahnhof zu begleiten. Allerdings wurde ich bereits kurz vor drei von Blitz und Donner wachgerüttelt. Ein tropisches Gewitter war aufgezogen und endlich sollte es in Dar, nach langer Trockenzeit wieder regnen. Ich liebe Gewitter und hab den morgendlichen Weckruf somit sehr genossen. Nach einer kurzen Dusche verging mir dann allerdings schon ein wenig das Lachen, denn gegen 4 Uhr flogen alle Sicherungen raus und ich musste meine restlichen Sachen im Dunkeln einpacken. Glücklicherweise hatte ich mich vor meiner Abreise noch mit einer Solarlampe des JGI Deutschland ausgestattet, die ich nun sehr gut gebrauchen konnte. Nachdem ich mein Mückennetz und alles andere verstaut hatte, meldete Byabato sich mit der Hiobsbotschaft, dass er das Auto seiner Schwester nicht bekommen hatte und nun zu Fuß unterwegs war, um ein Taxi aufzutreiben. Mittlerweile war es bereits halb 5 und ich ahnte schon, dass die verabredete Zeit niemals eingehalten werden würde, denn ich wusste ja, dass Byabato relativ weit draußen wohnt. Theoretisch verlangte die Busgesellschaft von den Kunden eine halbe Stunde früher am Bahnhof zu sein, aber das würden wir niemals schaffen. Also hoffte ich, dass wir wenigstens die Abfahrt nicht verpassen. Bis ca. halb 6 habe ich dann erstmal auf dem Balkon gesessen und das Gewitter bestaunt. Tropischer Regen hat einfach irgendwie was 🙂 Danach wurde ich doch langsam aber sicher nervös und ahnte schon fast, dass ich den Bus nicht mehr bekommen kann, jedenfalls nicht wenn das Taxi nicht innerhalb der nächsten 5 Minuten vor der Tür auftaucht. Eine Viertelstunde später hab ich es dann aufgegeben und eigentlich nur noch gehofft, dass wir es vielleicht schaffen, das Ticket auf den folgenden Bus umschreiben zulassen. Gegen Viertel nach 6 kam Byabato dann endlich mit einem Taxi angefahren. Der Arme wurde völlig nass auf der Suche nach dem Taxi, aber letztlich hat er es geschafft. Ich hatte wirklich ein schlechtes Gewissen und wusste gar nicht so recht, wie ich mich bedanken soll. Er meinte aber nur „Karibu“ und dass es selbstverständlich sei. Um kurz vor halb 7 hatten wir es dann zum Bahnhof geschafft und es irgendwie hinbekommen, das Ticket umzuschreiben, sodass ich mit dem nächsten Bus aufbrechen konnte.

Gegen 7 Uhr ging es dann endlich los. Der Bus war ungefähr 20 Jahre alt und nicht mehr der allerbeste, aber egal – fährt! Es war komfortabler als ich es erwartet hatte und der Service war wirklich fantastisch. Zwischendurch ging eine Dame herum und verteilte immer wieder Getränke und Snacks. Im Nachhinein hatte ich außerdem wirklich Glück, dass es genau an diesem Tag angefangen hatte zu regnen, denn dadurch war es auch ein wenig abgekühlt. In dem Bus wäre ich sonst wahrscheinlich ohne Klimaanlage zerflossen. Nach ungefähr 5 Stunden Fahrt erreichten wir dann das eigens für den Kilimanjaro Express errichtete Motel, wo es dann nochmal Verpflegung gab, wenn man denn wollte. Allerdings sind erstmal alle auf die Toiletten gestürmt, denn im Bus gab es keine. Nach einer halben Stunde Pause ging es dann weiter. Irgendwann versuchte mich Kessy (meine Kontaktperson in Sanya) anzurufen, um zu erfahren wo ich bin, denn er wollte mich von der Haltestelle abholen, an der ich aussteigen musste. Der Empfang war sehr schlecht und somit konnten wir uns leider nicht verständigen. Auch SMS konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr von meinem Handy verschicken. Glücklicherweise war meine Sitznachbarin so lieb und lieh mir kurz ihr Handy, damit ich Kessy kurz Bescheid geben konnte. Danach konnte ich dann einfach in Ruhe die Landschaft bewundern. Wie schon damals in Südafrika erfreute ich mich wieder besonders an diesen wunderschönen Kontrasten, die der Kontinent zu bieten hat. Das kräftige Grün der Bäume und Sträucher hebt sich gegen das dunkle Orangerot der Erde ab und das Schwarz der Steine sowie teilweise vertrocknetes gelbes Gras sorgen für kleine Farbtupfer. Keine Frage – ein wundervolles Kunstwerk!

Tansania

Auf dem Weg gab es immer wieder kurze Zwischenstopps oder Polizeikontrollen. Jedes Mal, wenn der Bus kurz anhielt, kamen von allen Seiten Verkäufer vorbei und ich sah nur noch Körbe mit Nüssen, Getränken, Chips und Früchten vor den Fenstern herumtanzen. Diese Leute, meist junge Männer, versuchen sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Bei manchem Anblick, vor allem dem von Kindern, die hilflos versuchten, uns etwas zu verkaufen, musste ich schon echt schlucken. Es ist einfach traurig , sich vorzustellen, was diese Menschen auf sich nehmen müssen um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Nach ungefähr 11 Stunden hielt der Bus dann in Boma Ng´ombe, (was so viel bedeutet wie „Haus des Rinds“), denn hier hatte vor einigen Jahren noch der Fleischmarkt seinen Platz. Kaum war ich ausgestiegen, war ich auch schon umringt von Menschen, die mir irgendwas verkaufen wollten. Nach einigen „Asante Hapana – Nein danke“ stand dann endlich Kessy vor mir. Endlich, weil es einfach kein schönes Gefühl ist, von einer Menschentraube umringt zu werden und zu wissen, dass viele denken, dass die Weißen grundsätzlich reich sind und daran Erwartungen knüpfen. Im Verhältnis gesehen stimmt das sicherlich auch. In Deutschand bin ich „arme“ Studentin , hier gelte ich schon fast als reich. Jedenfalls war ich froh, als ich Kessy sah. Kessy und Dativa (eine der Töchter der Familie bei der ich wohnen darf) begrüßten mich herzlich und begleiteten mich zum Taxi, welches uns nach Sanya Juu bringen sollte. Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt waren wir dann endlich da.

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