Der erste Besuch in TingaTinga

Für meine Interviews muss ich immer recht weit reisen, um in das Gebiet des WMA zu kommen. Vor ein paar Tagen stand Kessy um sieben Uhr morgens mit zwei Motorädern inklusive Fahrern vor der Tür. Wir wollten nach TingaTinga, einem Massaidorf im Gebiet des WMA. Ich hatte dort einen Termin mit einem ehemaligen WMA-Vorsitzenden. Nach ungefähr einer Stunde Fahrt, mussten wir erstmal eine Pause einlegen, denn vor uns tauchte eine Schranke auf, die den Eingang des WMA markierte.

Mofa

Mein Gefährt 🙂

Der Ranger wollte uns erstmal nicht durchlassen, weil wir keine Genehmigung hatten. Nachdem Kessy ihm dann etwas Geld in die Hand gedrückt hatte, war es kein Problem mehr. Naja, Korruption ist eines der größten Probleme dieses Landes, aber für uns in diesem Fall tatsächlich der einzige Weg, hineinzukommen, denn für eine Genehmigung hätten wir nach Arusha gemusst, um diese dort zu beantragen. Dies hätte natürlich wieder Zeit gekostet und Zeit habe ich hier leider wenig. Als wir dann durch waren, fuhren wir weiter in Richtung Ndarakwai Lodge. Hier hatte Kessy vor, dass wir uns diese einfach mal ansehen, denn sie ist eines der Unternehmen, die in den WMA investieren. Auch diese Einfahrt war wieder abgesperrt und es wurde erstmal einer der Manager angefunkt, der uns begrüßen sollte. Während wir warteten, hörte ich auf einmal ein tiefes Grummen und mein erster Gedanke war: Elefanten! Sehen konnte ich jedoch leider nichts. Nach einigen Minuten stoß Kessy mich dann an und zeigte in eine Richtung. Ich blickte unter den Bäumen hindurch und da sah ich sie: zwei Elefantenkühe. Ich folgte dem Weg einige Schritte lang und konnte bestaunen, wie die beiden sich gemächlich von Busch zu Busch bewegten, um zu fressen. Ich konnte mein Glück kaum fassen – der erste Besuch im WMA und dann so etwas!

Elefant 1

Zwischen uns war, wie ihr sehen könnt, ein Elektrozaun und außerdem auch einige Ranger. Als die Kuh mich sah, kam sie langsam auf mich zu, als wolle sie sehen, wer da gekommen ist. Kurz vor dem Zaun blieb sie dann stehen, nachdem ich einige Schritte zurückgegangen war.

Elefant 2

Sie sah mich einfach an oder, besser gesagt, wir sahen uns gegenseitig an. Was für ein wunderschönes Wesen J! Nach einigen Minuten kamen ein paar Ranger aus der anderen Richtung und begrüßten die Kuh, indem sie ihr in den Rüssel pusteten. Elefanten erinnern sich auf diese Weise nämlich an menschliche Individuen und zwar ein Leben lang. Sie erklärten mir dann, dass es sich bei beiden Elefanten um Waisen handelte, deren Mütter als sie noch klein waren für ihr Elfenbein ermordet wurden. Die beiden wurden dann von den Besitzern der Lodge per Hand aufgezogen. Daher waren sie auch so an Menschen gewöhnt, denn wirklich wilde Elefanten, hätte ich niemals so nah zu Gesicht bekommen. Der Versuch der Auswilderung ist zwar nicht komplett fehlgeschlagen, aber die Elefanten bleiben meist auf dem Gelände der Lodge oder kommen immer wieder zurück, denn sie wissen, dass es hier Wasser und Nahrung gibt. Es ist einfach nur beeindruckend, wenn ein solches Wesen plötzlich vor einem steht und einen mustert.

Nach einem kurzen Gespräch mit einem der Manager und einem Rundgang im Gebiet der Lodge fuhren wir dann wieder weiter Richtung TingaTinga. Irgendwann ging es aber nicht mehr weiter, denn kurz zuvor hatte es geregnet und die „Straßen“ bestanden größtenteils aus Schlamm. Kessy und ich mussten absteigen. Dann kam uns ein alter Massai, aus dem nahegelegenen Dorf, zur Hilfe und leitete uns über die modrigen Wege, bis zu dem Punkt an dem es wieder trocken war. Die Motorräder hatten so ihre Probleme überhaupt durchzukommen, aber auch das ist schließlich geglückt. Wir verabschiedeten uns von dem Massai und fuhren weiter.

TingaTinga

Das Dorf des alten, hilfsbereiten Massai

Nach einigen weiteren Kilometern erreichten wir dann endlich TingaTinga und schon dort kam ich mir unglaublich dreckig vor. Zuerst besuchten wir hier eine Grundschule, in der es eine Roots&Shoots Gruppe gibt und die an diesem Tag das Thema: „ Wie gehe ich mit einem Esel um?“ durchsprach. Die Veranstaltung durften wir uns mit ansehen und auch etwas über das Jane Goodall Institut berichten.

Donkey Care Day

Donkey-Care-Day

Nach unserem Schulbesuch ging es weiter zum Interview mit dem ehemaligen Vorsitzenden, der sehr interessante Dinge zu berichten wusste. Was mir allerdings direkt auffiel, war die Tatsache, dass er in einem wesentlich besseren Haus wohnte als der Rest der Dorfbewohner. Hinzu kam dann noch, dass er mir sehr Stolz erzählte, wie transparent der Prozess der Geldverteilung im WMA ist. In Anbetracht dessen, dass wir schon bei der Einfahrt in den WMA Korruption erleben durften, kann man sich dann hierzu wohl denken, was man will. Nichtsdestotrotz habe ich durch dieses Interview sehr interessante, aber kritisch zu betrachtende Informationen bekommen. Während des gesamten Interviews wurden wir von unzähligen Fliegen belästigt. Unglaublich, diese Viecher. Wir scheuchen sie weg, sobald sie sich irgendwo hinsetzen, aber die kleinen Kinder, die ebenfalls im Haus sitzen, hatten diese Möglichkeit nicht und dementsprechend saßen die Fliegen in Mund, Nase und Augen.

Nach dem Interview ging es dann zurück nach Sanya, wo ich erstmal mit eine „Pole“ – „Entschuldigung“ begrüßt wurde. „Pole“, sagt man hier wann immer jemand eine lange Reise hinter sich hat, etwas Schweres trägt oder sonstige Arten von Arbeit verrichtet. Ich ging dann erstmal duschen um mir die, gefühlt, Zentimeter dicke Staubschicht abzuwaschen. Dativa meinte später, dass man mir etwas ins Gesicht hätte schreiben können. Wie gut, dass es hier keine Spiegel gibt J

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