Die Primaten entstammen einer der ältesten und anatomisch unspezialisiertesten Abstammungslinien der Säugetiere. Als vor rund 65 Millionen Jahren im Paläozän das große Zeitalter der Dinosaurier zu Ende ging, führte das Freiwerden vieler ökologischer Nischen zum Aufschwung der damals noch urtümlichen Gruppe der Säugetiere (kleine insektenfressende Arten). Aber der folgende Konkurrenzkampf unter den Säugetieren selbst veranlasste einige dazu in die Höhe auszuweichen. Dort waren sie besser geschützt vor bodenlebenden Raubsäugern und fanden auch eine unbesetzte Nahrungsnische vor. Das Leben in der Höhe der Bäume führte im Laufe der Jahrmillionen zu vielfältigen körperlichen Anpassungen an diese Lebensweise.
So entwickelten sich während des Eozäns vor etwa 55 Millionen Jahren die Adapidae und die Omomyidae. Diese wiesen bereits einige charakteristische Merkmale der heutigen Primaten auf (z.B. Entwicklung eines großen Gehirns und greiffähiger Gliedmaßen). Sie ernährten sich wahrscheinlich vorwiegend von Insekten und Früchten und haben sich in den Bäumen kletternd und springend fortbewegt. Die Adapidae sind die Vorläufer der heutigen Halbaffen. Aus den Omomyidae gingen die Vorläufer der Neuweltaffen und Vorläufer der Altweltaffen und somit der eigentlichen Affen hervor. Diese fraßen Früchte anstelle von Insekten und waren tagaktiv.
Im Oligozän vor rund 33 Millionen Jahren spalteten sich die Hominoiden (Menschartige) von den Altweltaffen ab und erlebten im frühen Miozän vor rund 22 Millionen Jahren eine Blütezeit. Zu dieser Zeit spalteten sich auch die Gibbons von den Hominoiden ab. Während sich vor 16 Millionen Jahren die Orang-Utans und vor 7 Millionen die Gorillas abspalteten, wird der Zeitpunkt der Trennung von Schimpanse und Frühmensch auf ein Alter von rund 6 Millionen Jahren geschätzt. Demnach stammt der Mensch weder vom Schimpansen noch von irgendeinem anderen heute lebenden Menschenaffen direkt ab, jedoch haben alle einen gemeinsamen Früh-Primaten als Vorfahren.
Veränderte Umweltbedingungen leiteten die Evolution der Menschenfamilie ein. Ein weltweiter Klimawandel führte zu einer Abnahme der bewaldeten Gebiete und das Nahrungsangebot wurde knapp. Die stärkeren Gemeinschaften blieben in den übrig gebliebenen Wäldern, während die anderen auf der Suche nach neuen Nahrungsmöglichkeiten auswanderten und in die Savannen vorstießen. Die erschwerten Bedingungen forderten Geschicklichkeit und den Gebrauch von Gegenständen (z.B. Grabwerkzeug und Wurfgeschosse). Die Möglichkeit sich aufzurichten und zeitweise auf zwei Beinen zu gehen waren Voraussetzungen für ihr Überleben.
Vor rund 2,5 bis 2 Millionen Jahren im Pliozän entwickelte sich schließlich die Gattung Homo. Sie umfasst sieben Arten (H. rudolfensis, H. habilis, H. ergaster, H. erectus, H. heidelbergensis, H. neanderthalensis und H. sapiens) und ihr einziger überlebender Vertreter ist der moderne Mensch (H. sapiens). Während der Mensch den gesamten Globus besiedelte, blieben seine nahen Verwandten in ihren angestammten, tropischen Lebensräumen. Da es keinen Druck vergleichbarer Anpassung gab, können die heute lebenden Menschenaffen als ein Zeugnis unserer Urahnen mit all ihren Verhaltens- und Lebensweisen angesehen werden.
Stammbaum der Menschenaffen
Menschenaffen gehören zu den Säugetieren (Mammalia), hier zur Ordnung der Herrentiere (Primates), welcher wiederum die Familie der Menschenaffen (Hominidae, GRAY 1825) unterstellt ist.
Diese Familie wird unterteilt in vier Gattungen:
- Gattung Mensch (Homo)
- Gattung Schimpanse (Pan)
- Gattung Gorilla (Gorilla)
- Gattung Orang-Utan (Pongo)
Je nach Gattung kann man unterschiedliche Arten und Unterarten unterscheiden.
Unterteilung der Art „Schimpanse“ (Pan troglodytes)
Bei den Schimpansen wurden vier verschiedene Arten beschrieben, wobei hier wiederum diverse Unterarten – je nach Verbreitungsgebiet – zu unterscheiden sind.
- Pan troglodytes verus oder Westafrikanischer Schimpanse
Der Westafrikanische Schimpanse scheint am gefährdetsten zu sein. Kam er ursprünglich in 13 afrikanischen Ländern vor, so gibt es heute noch größere Populationen an der Elfenbeinküste, kleinere Populationen in Guinea, Liberia und Sierra Leone sowie versprengte Familien in Ghana, Guinea-Bissau, Mali und Senegal. Auffällig sind sein schwarzes Gesicht und die spärliche Behaarung.
- Pan troglodytes troglodytes oder Zentralafrikanischer Schimpanse
Noch relativ große Populationen befinden sich im Kongo-Becken. Durch Abholzungen der Regenwälder ist diese größte Population allerdings stark gefährdet. Größere Populationen des Zentralafrikanischen Schimpansen kommen auch in Kamerun und Gabun vor, kleinere in der Zentralafrikanischen Republik, in Äquatorial-Guinea, Angola sowie Ost-Nigeria. Er hat ein helles Gesicht und ist spärlich behaart.
- Pan troglodytes schweinfurthii oder Ostafrikanischer Schimpanse
Verbreitungsgebiete befinden sich noch im östlichen Kongo und kleinere Populationen in Burundi, Ruanda, Uganda und Tansania. Schwarzes Gesicht, längeres Körperhaar.
- Pan troglodytes vellerosus oder Nigeria-Schimpanse
Seltenste Unterart. Kommt in Ostnigeria und Westkamerun vor.

